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Speichermedium – Zeitzeuge der langen Revolution

Die Motive sind an Internetbilder angelehnt. Die Malerei Erik Pfeiffers spannt sich auf in die zwei Serien „Speichermedium” und „Systembilder”. Beide Serien sind auf den ersten Blick zunächst keiner genauen Stilrichtung zuzuordnen. Realistische Anmutung steht in seinem Œuvre neben geometrischer Abstraktion und konstruierten Ornamenten. Seine Motive variieren von Bild zu Bild ebenso wie der Farbauftrag innerhalb eines Gemäldes. Die unterschiedlich gemalten Motive sind mit ähnlicher Farbsättigung gemalt. Bekräftigt wird die visuelle Lautstärke von dem Schöpfen aus zwei Farbsystemen. Die Farbspektren aus „Cyan-Primärmagenta-Primärgelb” (→Kaltfarbsystem) stehen dem Warmfarbsystem „Ultramarinblau hell-Kadmiumrot-Kadmiumgelb” gegenüber. Dieser Dualismus beschreibt den Ursprung seiner Motive in neuem Kontext. So malt er für die Serie Speichermedium das ursprüngliche „CAD-Rendering” eines Ingenieurbauteils im simulierten Belastungstest. Das Bild ist uneindeutig. Zum einen scheint es wie ein akademisches Statement zu Zeiten der konstruierten Abstraktion. Zum anderen führt es dem Betrachter direkt vor Augen, daß der Künstler sich in einer Zeit frei von eben Akademismus bewegt. Es ist eine Zeit frei von Manifesten, essentiellen Bedingtheiten, fest etablierten Stilrichtungen und vermeintlicher Prämissen die der Schaffung zeitgenössischer Kunst vorangehen. Jeder darf sich jedes Statement aussuchen und malen. Dem Betrachter bleibt vor Pfeiffers Bildern nichts anderes übrig, als seinen gesamten bildlichen Erfahrungsschatz in dem kontemplativen Moment nach aussen zu stülpen. Denn sein Werk wird nicht nur aus dem Feld der Kunstgeschichte heraus gedeutet. Der Betrachter erkennt in dem Gemälde des Ingenieurbauteils eine utopische Blumenblüte, eine Turbine, das fehlende Teilchen in einem abstrakten System, oder vielleicht das Bauteil einer militärischen Waffe. Pfeiffers Interesse gilt der Referenz des Gemalten vor dem Hintergrund abstrakter Malerei und somit der Entdeckung von Archetypen in der abstrakten Bildsprache. Zerstörung, Zersplitterung, Zusammenfall, Perspektivlosigkeit, Ironie, Versagen, Hässlichkeit, Ratlosigkeit, Verwirrung, Hülle, aber auch Neubeginn, Besinnung auf die kleinen Dinge, Epiphanie, Bedeutungsverlagerung, Prioritätsverlagerung, Ernsthaftigkeit, Enthusiasmus und Schönheit sind Wesensstränge, die ihn interessieren und die er in der Gesellschaft beobachtet. Pfeiffer schafft so nicht nur neue visuelle Gefäße, die die Betrachter eigens mit Sprache anreichern, sondern er entdeckt und archiviert individuell, aber auch gesellschaftlich beobachtbare emotionale Strömungen.

„Als Autor möchte ich die Grenzen zwischen Fantasie und Medialität miteinander verweben. Die Frage lautet: Welche Bilder und welche Abstraktionen finden Ihr Medium?”